#1 / 2022
Der Kontakt & die Beziehung zum Pferd, was gibt mir das?
Geschichten & Hintergründe zur Pferd/Mensch (Frau :)) Beziehung.
Liebe Online – Reiter*innen 🙂
Jetzt hatte ich eine volle Woche und komme endlich zum Protokoll für Euch von unserem ersten Treff in 2022.
Es war wieder sehr schön und interessant mit Euch und Euren Geschichten zum Thema Pferdebeziehungen.
Im Anschluss ans Protokoll und im Anhang gibt es noch ein paar spannende neue Inhalte von mir – auch in Seminarform – für alle, die Lust auf neue Erfahrungen in 2022 haben.
Hier meine Zusammenfassung:
Zu Beginn das Watzlawick Zitat entnommen aus der Coaching – Fortbildung bei Mona Pelz „Gemeinsam unterwegs mit Pferden“:
„Jede Kommunikation hat einen Inhalts und einen Beziehungsaspekt.
Wobei letzterer den ersten bestimmt und daher eine Meta – Kommunikation ist.“
Also die Inhaltsebene ist quasi die „Unterhaltung“ über die Beziehung – das ist vereinfacht mit Meta – Kommunikation gemeint.
Die Pferd/Mensch Interaktion ist demnach der körperliche Ausdruck (die Meta – Kommunikation) der Beziehung zwischen Pferd und Mensch.
Als Beispiele habe ich die „klassischen“ oder auch „oldschool“ Annahmen aus dem Parelli Natural Horsemanship Prinzip genommen: Respekt und Vertrauen.
Interagiere ich mit meinem Pferd primär über sog. „Respekts“ – Übungen, also fordere ich vor allem Raum/Distanz über den Stick, bin ich eher „streng“ und interpretiere das Verhalten meines Pferdes im Bezug auf mich eher als „dominant“, dann führe ich eine Beziehung, die eine klare Hierarchie fordert – ich bin der „big boss“ und mein Pferd hat meine Anweisungen respektvoll zu befolgen.
Interagiere ich mehr über „Vertrauens“ – Übungen, also suche ich die Nähe zu meinem Pferd, lade es eher in meinen Raum ein, versuche „ohne Druck“ zu arbeiten, bin ich eher „überredend“ (Leckerlie), und interpretiere das Verhalten meines Pferdes im Bezug auf mich als eher „vertrauensvoll“, dann führe ich eine Beziehung, die Vertrauen in allen Situationen und Aufgaben vom Pferd fordert – ich bin dann die „V-Person“ und mein Pferd soll zu jeder Zeit meine Hilfen vertrauensvoll annehmen.
Das sind natürlich 2 überzeichnete Beispiele, die die 2 bekanntesten Strömungen der Beziehungsgestaltung im Horsemanship verdeutlichen sollen.
Meistens/im besten Falle ergibt sich daraus eine okaye Mischung für Pferd und Mensch.
Interessant daran ist, dass eben diese oben angesprochene Meta – Kommunikation in vielen Fällen über Nähe/Distanz, also „Raumspiele“ zwischen Pferd und Mensch ablaufen. Oft erkenne ich daran, also an der Nähe oder der Distanz, die der Mensch bewusst/unbewusst zulässt/einfordert vom Pferd, welche Grundstruktur hier am Wirken ist.
Mit diesem kleinen Intro sind wir dann in die Geschichten von jeder von Euch eingestiegen. Hier in Spiegelstrichen zusammengefasst, was ich verstanden habe/erinnere:
- „Man kann nicht, nicht kommunizieren“ – Beziehung ist überall.
- Die Beziehung ist stark verbunden mit der Tagesstimmung / ist Stimmungsabhängig. Allerdings gibt es auch Grundpfeiler an denen sich die Inhalte orientieren können – also auch die Beziehung. Dabei spielt die Gesunderhaltung eine Rolle – sie gibt auch bei schlechter Stimmung den Antrieb für eine gute Zeit miteinander (z.B. bei Massagen).
- Rituale zur „Einstimmung“ helfen auch als Stimmungsaufheller und als angenehmes Ankommen. Ob in der Futterküche, der Sattelkammer oder auch dem Weg zum Einfangen. Hier können sich die Gedanken sammeln und Frau „erdet“ sich.
- Zum Thema Nähe und Distanz wäre auch eine Betrachtung, dass geforderte Distanz hilfreich sein kann, um Spannung abzulassen. Vor allem im Winter, wenn es sonst meist für die Pferde wenig Möglichkeiten zum richtigen austoben gibt. Aber genauso kann Distanz auch mentale Nähe fördern: in der Freiarbeit beispielsweise, diese kann auch als größte gemeinsame Nähe erfahren werden.
- Grundsätzlich kann jede Arbeit mit dem Pferd als etwas gemeinsames gesehen werden = der Inhalt ist eben der Ausdruck der Gemeinsamkeit = der Beziehung.
- Die Umwelt spielt auch eine Rolle, wie ich die Beziehung zu meinem Pferd wahrnehme und letztlich gestalte. Schaffe ich es, den Blick zu verändern, also einen Perspektivwechsel, dann kann ich auch das Verhalten des Pferdes anders interpretieren und meine Beziehung umgestalten – von einem eher angstbesetzten Umgang mit dem Pferd zu einem Führungsstil, der dem ängstlichen Pferd Anlehnung bietet.
- Hilfsmittel als „Schutzausrüstung“ – baue ich diese ab, dann werde ich vorsichtiger, sensibler in meiner (Inhalts-) Beziehungsgestaltung. Ich kann so auch unbewusste Bedürfnisse in mir und deutlich gezeigte Bedürfnisse des Pferdes besser annehmen. Und wenn mein Pferd mir mal deutlich zeigt, dass heute nicht der Tag für die großen Sprünge ist, dann kann ich dies annehmen – mit einem Lächeln und mir einen schönen Tag machen – auch mal ohne Pferd. Das Pferd, das sorgt schon gut für seine Bedürfnisse, dann kann ich das auch :).
- Diese Bedürfnisse können auch schon im Kontakt mit dem Pferd sichtbar werden. Wie ist die Situation für mein Pferd, wenn ich ankomme und schon mit Halfter auf dem Paddock stehe, kann ich etwas Zeit lassen und diese schon als Beziehungszeit sehen? Wenn mir das gelingt, dann nehme ich mir Beziehungszeit und das tut uns immer gut!
- Auch das grundsätzliche Verhalten meines Pferdes mir gegenüber kann sich mit der Beziehungszeit verändern. Es kann hier auch mehr Nähe im Sozialverhalten entstehen- z.B. wenn mein Pferd über knabbern und/oder lecken Kontakt anbietet. Doch was passiert mit Nähe und Distanz, wenn Beziehungsstress entsteht? Hüpft mein Pferd „in mich rein“ oder will es weg? Zeigt es beides? Am Hänger zeigt sich dann in meist erstmal extremer Form, was die Stressreaktion im Bezug auf den Menschen und umgekehrt im Bezug auf das Pferd ist. Wer hier die Ruhe bewahrt, sich Zeit zur Beobachtung nimmt ist gut beraten!
- Zeit als höchstes Gut im Bezug zum Pferd. Die „Pferdezeit“ also wirklich als diese definieren und nichts anderes. Alles im gemeinsamen Tempo, Gelassenheit als Grundwert in der Beziehungsgestaltung – denn Stress also auch Zeitdruck – hemmt unsere Fähigkeit zur Beziehungsgestaltung.
- Schließlich können Pferde auch Teil des „ganz normalen Alltags“ sein, wenn sie am Haus wohnen. So ist die Beziehung in meinen Lebensrhythmus eingebaut und das auf beiden Seiten. Hier ist die räumliche Nähe auf einer neuen Ebene und ich kann den Kontakt zum Pferd als tägliche Dosis „Oxytocin“ nutzen. Dieses Hormon bzw. Die Bildung der Rezeptoren im Hirn für dieses Hormon – ist notwendig für die soziale Interaktion bei Mensch und Tier. Das Berühren des Pferdes erdet mich also auch hormonell :).
Ich danke Euch sehr für Eure schönen Einblicke und Geschichten <3!
Jetzt zu den neuen Inhalten:
Einmal gibts einen neuen „Gruß aus der Reithalle“ zu sehen:
Dann starte ich ab dem Februar 2022 mit der Wochenend – Seminarreihe „Raumspiele“ hier bei uns auf dem Hof.
„Raumspiele“ ist im Grunde eine kleine Selbsterfahrung mit Pferden. Wir werden an 2 Tagen einen ganz neuen Blick auf uns und die Beziehung zu Pferden werfen. Dabei kann jede*r seine ganz individuellen Spielräume entdecken. Das praktische: ihr braucht kein eigenes Pferd mitbringen. Dieses Seminar entfaltet seine Wirkung im Innern, ihr braucht dafür nur euch selbst mitbringen :). Die Pferde hier sind bestens geschult, um euch in der Entfaltung zu unterstützen :)).
Es wird eine ganz kleine Gruppe, Corona – Konform, von max. 3 Personen sein.
Mehr Infos hier:
Und jetzt der neue Termin mit folgender Überschrift:
Die Wahrnehmung der Pferdezeit – Vergangenheit und Zukunft:
Wie formuliert ihr zukünftige und Ziele und wie gelingt es euch diese auch zu erreichen?
TERMIN: 22.02.22 um 20:00 Uhr (wow)